Cheating im E-Sport

Jeder halbwegs ambitionierte Gamer im E-Sport kennt es: Das Match läuft gerade so richtig gut, es fehlt nicht mehr viel bis zum „Win“. Doch plötzlich macht der Gegner etwas, das vom Spiel nicht erlaubt ist: Er kann durch Wände sehen oder besser zielen als jeder computergesteuerte Gegner es jemals könnte. Der sichergeglaubte „Win“ ist plötzlich futsch, denn es wurde gecheatet.

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Warum sog. „Cheating“ nicht nur zur Sperrung des Accounts führt, sondern auch gravierende rechtliche Folgen für den Cheater haben kann – und das gilt nicht nur für den Profi-, sondern auch oder vielmehr gerade für den Hobbybereich (!) – wird in diesem Praxisbeitrag verraten!

Cheating ist heutzutage beliebter denn je und führt zu einer unglaublich hohen Frustration unter den Spielern, die das Spiel mittels eigener Leistung gewinnen wollen. Wer cheatet, der mogelt, um sich einen spielerischen Vorteil zu verschaffen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf das Spiel einen solchen unzulässigen Einfluss zu nehmen. In diesem Beitrag wird zwischen zwei Formen des Cheatings unterschieden: Die Einflussnahme auf das Spiel selbst (Veränderung des Programmiercodes eines Spiels) und die Einflussnahme auf die Austragung des Spiels.

Der „Aimbot“ als Mutter aller Cheats

Der wohl bekannteste Cheat, der unmittelbar in das Spielgeschehen eingreift, ist im Rahmen von Taktikshootern der sog. „Aimbot“. Der Aimbot verhilft dem Cheater zu einer (erheblich) gesteigerten Präzision, wodurch es seinen Gegnern nahezu unmöglich gemacht wurden, diesen zu besiegen. Zwar gelingt es findigen Programmierern immer wieder, gewisse Programmierlücken eines Spiels ausfindig zu machen und hier Cheats wie einen Aimbot zu erzeugen. Allerdings dauert es gerade bei im E-Sport-Bereich beliebten Games nie lange, bis die Spieleentwickler die Lücke schließen können, da hier das große Geld fließt und zusätzliche Kapazitäten für die Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs des Spiels bereitgestellt werden.

Wird jemand beim Cheaten erwischt, so hat dies spielinterne und im schlimmsten Fall auch rechtliche Folgen. Kann dem Gamer vom Spielebetreiber nachgewiesen werden, dass er gecheatet hat, so führt dies zur permanenten Sperrung seines Accounts (sog. „Ban“).

Die digitale Todesstrafe: Kollektivstrafen

In aller Munde sind derzeit die sog. Kollektivstrafen. Verstößt im Rahmen eines Turniers ein Spieler gegen eine Regel, so droht im schlimmsten Fall die Disqualifizierung des ganzen Teams. Beim Cheating ist die Disqualifikation des ganzen Teams alternativlos. Also Vorsicht: Wer sich als Teammitglied solch unzulässiger Mittel bedient, zieht unter Umständen den Zorn seines ganzen Teams auf sich!

Im Profi-Bereich dürfte das Cheating verhältnismäßig leicht nachgewiesen werden, da dort die Aufmerksamkeit aufgrund von mitunter millionenschweren Preisgeldern sehr groß ist und die Spieler unter besonderer Beobachtung stehen. Zusätzlich werden die Matches in der Regel aufgezeichnet, sodass den Verantwortlichen im Falle des Falles auch gleich Beweismaterial zur Verfügung steht. Deshalb wird es im Profibereich auch eher weniger Spieler geben, die sich trauen, zu solchen Mitteln zu greifen.

Rechtliche Konsequenzen

Cheatende Spieler müssen hierzulande höllisch aufpassen! Bedienen sich Cheater im Profibereich eines Aimbots oder eines ähnlichen Cheats, so kann dies unter Umständen strafrechtliche Folgen haben. Der Cheater kann sich wegen Betrugs strafbar machen, wenn dadurch zu seinen Gunsten eine Vermögensverfügung getätigt wird, er also dank seines Cheats ein Preisgeld erhält. Der Strafrahmen des Betrugs reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe!

Der (fast) unbezwingbare Feind: Die DDoS-Attacke

Viel schwieriger verhält es sich dann, wenn es der Cheater auf die Austragung des Spiels abgesehen hat. Damit Spiele im Internet stattfinden können, müssen Server vom Entwickler bereitgestellt werden. Server sind leistungsstarke Netzwerkrechner, deren Ressourcen auch von Spielen in Anspruch genommen werden können, damit sie im Internet stattfinden können. Jeder E-Sportler sendet von seinem Rechner zu Hause diverse für das Spiel relevante Informationen an den Server. Mittels externer Programme können Cheater die Informationen, die von ihrem Rechner an den Server übermittelt werden, künstlich vervielfachen, was zu einer Überlastung des Servers, einem sog. „Servercrash“ führt. Dieser Prozess nennt sich (Distributed) Denial of Service oder auch kurz DDos. DDos-Attacken auf die Spielserver führen zu Matchabbrüchen, die dann für den Cheater sinnvoll sind, wenn er gerade zurückliegt und das Match nicht verlieren will. Spieleentwickler haben große Schwierigkeiten, gegen diese externen Angriffe wirksam vorzugehen, da selbst die leistungsstärksten Server auf diese Weise leicht aus den Angeln gehoben werden können.

Gerade im Breitensport gibt es zahlreiche (Hobby-)Spieler, die sich mittels Cheating einen Vorteil verschaffen wollen. Gerade wenn die Spieler mithilfe von Drittanbieter-Software oben erwähnte DDoS-Angriffe durchführen und so die Matches lahmlegen, ist es nicht nur schwer nachvollziehbar, den cheatenden Spieler zu ermitteln. Selbst wenn dieser ausfindig gemacht werden kann und sein Account permanent gesperrt wird, so kann er sich in den meisten Fällen einfach einen Zweitaccount erstellen und erneut loslegen.

Mit DDoS-Attacken macht man sich strafbar

Und nun kommt etwas, das wohl die wenigsten wissen dürften: Spieler im Breitensport, die DDoS-Angriffe durchführen, können sich wegen sog. Computersabotage strafbar machen. Denn hier wird eine Datenverarbeitung, die für die Gaming-Konzerne von wesentlicher Bedeutung ist, erheblich dadurch gestört, dass eine Datenverarbeitungsanlage (hier der angegriffene Server) zeitweise unbrauchbar gemacht wird (siehe § 303b StGB). Auch hier reicht der Strafrahmen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Cheater müssen hier bedenken, dass sie mit ihren IP-Adressen sozusagen virtuelle Fingerabdrücke hinterlassen und von den Strafverfolgungsbehörden ausfindig gemacht werden können.

Anzumerken ist auch, dass Konzerne mittlerweile begonnen haben, die Drittanbieter, die eine solche „Malware“ anbieten, zu verklagen. So macht es etwa das Unternehmen Ubisoft, das in der jüngeren Vergangenheit immer wieder von DDoS-Angriffen betroffen war und nach wie vor betroffen ist.

Natürlich ist auch die Kehrseite der Medaille nicht außer Acht zu lassen: Bei E-Sport handelt es sich in den überwiegenden Fällen um grenzüberschreitende Sachverhalte, was die Rechtsverfolgung nicht nur erheblich erschweren kann. Rechtssysteme in anderen Staaten verfügen zudem nicht zwangsläufig über solche Mechanismen, wie sie hierzulande aufzufinden sind.

Fazit

Cheating spielt schon jetzt vor allem im Breitensport eine erhebliche Rolle und mit zunehmender Kommerzialisierung des E-Sports wird das Mogeln für Cheater nicht unattraktiver. Erwischen Videospielunternehmen Spieler beim Cheaten, so führt dies zur Sperrung Ihres Accounts, im Falle eines Turniers zur Disqualifikation des gesamten Teams.

Während Gaming-Konzerne insbesondere im Bereich der DDoS-Angriffe verzweifelt nach einer spielinternen Lösung suchen, verfügt Deutschland bereits über Rechtsverfolgungsmechanismen. Auf strafrechtlicher Ebene kann man sich wegen Betrugs und Computersabotage strafbar machen. Angesichts grenzüberschreitender Sachverhalte im Internet wäre es dennoch wünschenswert, wenn die betroffenen Unternehmen nachhaltige Lösungen finden und so effizienter gegen Cheater vorgehen können.

Dr. Felix Meisheit, Rechtsreferendar (Kiel)

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