Dieter Freys "eSport und Recht" – Bald Standard

Seit Oktober 2020 ist das neue Buch “eSport und Recht” erhältlich. Hierbei handelt es sich um eine kompakte Einführung in das Recht des E-Sports. Das Besondere daran: Zu den Autoren zählen fast nur Praktiker. Wer sich also mit dem deutschen E-Sportrecht der Praxis beschäftigt oder beschäftigen möchte, der wird um eine Lektüre nicht herumkommen.

Lesezeit: ca. 4 Minuten (860 Wörter)

Der Titel “eSport und Recht” ist im Oktober 2020 im Nomos-Verlag erschienen. Der Herausgeber ist der Kölner Rechtsanwalt Prof. Dr. Dieter Frey, der sich gleichzeitig in die Liste der 10-köpfigen Autorenschaft eingetragen hat. Die praktische Darstellung des gesamten Rechts des E-Sports ist in 8 Kapiteln aufgeteilt. Diese gliedern sich in insgesamt 31 aussagekräftige Abschnitte. Es wird also schnell klar, dass das Buch umfassend aufgestellt wurde, um auf alle möglichen Rechtsfragen im E-Sport eine verlässliche Antwort geben zu können.

Bereits ein fliegender Blick über das Inhaltsverzeichnis lässt erkennen, dass alle relevanten rechtlichen Themen des E-Sports abgedeckt wurden. Dabei gibt das Buch nicht nur eine Orientierung für die Anwendung des einschlägigen Mainstream-Rechts des E-Sports, sondern zeigt auch die rechtlichen Besonderheiten auf, die sich im Kosmos “E-Sport” bereits entwickelt haben. Das Werk wird seiner Zielrichtung, auf wissenschaftliche Ausführungen zu verzichten und ein Praxishandbuch zu sein, vollumfänglich gerecht.

E-Sport geht auf die 1950er Jahre zurück

Das erste Kapital ist den allgemeinen Grundlagen des E-Sports gewidmet. In griffigen Worten erläutert Veronika Frey die Entwicklung des E-Sports, dessen “Ursprünge auf einfache Computerspiele in den 1950er” zurückgingen. Die forensischen Ausführungen zum Ökosystem und besonders zu den Akteuren des E-Sports sind für Szeneeinsteiger bestens geeignet, aber auch um Vergessenes aufzufrischen. Die Autorin schließt das Kapitel u. a. mit der These, dass sich die Machtverhältnisse im E-Sport zukünftig noch weiter zugunsten der Publisher verschieben würden.

Der folgende Teil von Dr. Hendrik Pusch beginnt mit der Dauerbrenner-Frage, ob E-Sport richtiger Sport sei. Dabei wird mithilfe der sport- und rechtswissenschaftlichen Perspektiven der aktuelle Stand zur Anerkennung des E-Sports dargestellt. Anschließend setzt sich der Autor mit der Implementierung des E-Sports in die Vereins- und Verbandsstrukturen des traditionellen Sports auseinander. Kritiker könnten hier grundlegend einwerfen, dass der Aufbau eigener Strukturen im Vordergrund stünde und weniger die Aufnahme des E-Sports in den traditionellen Sport.

E-Sport-Akteure sind Kern des Buches

Im dritten Kapitel nährt sich das Buch seinem Kern und dringt zu den den E-Sport-Wettbewerben unterliegenden Reglements vor. Anna B. Baumann leistet Pionierarbeit, indem sie die Regelwerke der Veranstalter Riot Games, Valve & Co. durchleuchtet und sich auch deren Auswirkungen auf die Spielerverträge annimmt. Innovationscharakter beweist auch die Darstellung von D. Frey/Dominic M. Dresen über die rechtlichen Möglichkeiten, professionelle Wettbewerbe und Ligen mit dem Ziel zu etablieren, “nachhaltige finanzielle Strukturen” zu errichten.

Den rechtlichen Positionen der wichtigsten Akteure der E-Sport-Branche, etwa den Publishern und E-Sportlern (D. Frey/Dr. Nadine van Baal), den Teams und Veranstaltern sowie den Sponsoren (Dr. Matthias Rudolph) ist im vierten Kapitel je ein eigener Abschnitt zugewiesen worden. Dem vielleicht wichtigsten Rechtsverhältnis, also dem zwischen professionellen E-Sportlern und Organisationen, ist aufgrund seiner Komplexität zu Recht ein eigenes Kapitel 5 gewidmet worden (Baumann/Michael Pasternak). Einen kurzen, aber intimen Einblick in das Innenleben des Profi-E-Sports gewährt der Abschnitt über Transfers von E-Sportlern.

Die Kapitel 4 und 5 zusammen bilden das Kernstück des vorliegenden Schreibwerkes. Die lückenlose Analyse aller in der E-Sport-Branche repräsentierten Rechtspositionen ist mit der Fokussierung auf E-Sportlern und deren Teams der besondere Mehrwert dieses literarischen Ratgebers.

Steuern: Die Problemzone des E-Sports

Die anschließenden Kapitel konzentrieren sich auf diejenigen Akteure, die entweder an der Veranstaltung von professionellen Wettbewerben beteiligt sind oder hieran in irgendeiner Form teilnehmen, sowie auf die kommerzielle Verwertung des E-Sports. In erfreulicher Detailliertheit erläutert Olaf Radtke, was es bei E-Sport-Veranstaltungen in puncto Rundfunk, Jugendschutz und Glückspielrecht zu beachten gilt. Richtigerweise unterscheidet der Autor ebenfalls zwischen dem aktiven Spielen und passivem Zuschauen von E-Sport-Titeln wie Counter-Strike: Global Offensive in Hinblick auf die USK-Altersfreigabe. Hervorzuheben ist zudem, dass im 23. Abschnitt die Fans des E-Sports eine eigene rechtliche Bewertung erfahren haben.

Im letzten von 8 Kapiteln greift Dr. Jörg Alvermann das Thema E-Sport und Steuern auf. Das Problem “Steuern” ist grundsätzlich nicht nur sperrig zu verstehen, sondern auch schwer verständlich zu machen. Umso erfreulicher ist es daher, dass es dem Autor in verständlicher und lesefreundlicher Weise gelungen ist, umfassend auf die bekannten steuerrechtlichen Standardprobleme im E-Sport einzugehen. Der Fokus wird dabei mit Recht auf die Aspekte der Gemeinnützigkeit, Besteuerung von E-Sport-Organisationen und Besteuerung von E-Sportlern gerichtet.

Auf dem Weg zum Standardwerk

Das Buch behandelt alle relevanten Themen des täglichen E-Sports und ist damit eine kompakte und zugleich umfassende Zusammenstellung des E-Sportrechts. Aus dem Regal eines Rechtsanwenders ist es daher nicht mehr wegzudenken. Das Werk zeichnet sich nicht durch die Auslegung von abstrakten Rechtssätzen aus, wie es in der Rechtswissenschaft der Fall wäre. Vielmehr liefert “eSport und Recht” verlässliche Ergebnisse, die es dem Rechtsanwender ermöglichen, Fragen der Praxis punktgenau zu beantworten.

Auch wenn die Zunft der Caster im E-Sport (noch) keine Berücksichtigung gefunden hat, fällt eine Auflistung gleich zu Beginn des Buches positiv ins Auge. Den Kapiteln vorangestellt ist ein Glossar von Fachbegriffen, aus dem selbst eingefleischte Gamer und E-Sportler noch etwas lernen dürften. Das Glossar ist ein weiteres Beispiel für die Anwender- und Lesefreundlichkeit des gut durchdachten Handbuchs für Praktiker, das das Potenzial zu einem klassischen Standardwerk des E-Sportrechts hat.

Dr. Oliver Daum, Anwalt im E-Sport (Kiel)
Facebook
XING
Twitter
LinkedIn

Schreibe einen Kommentar