14. Juni 2021

E-Sport: Tipps zum Aufbau eines Semi-Profi-Teams

Ein semi-professionelles E-Sport-Team aufzubauen ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Wer gut plant, wird auch Erfolg haben. Das bedeutet: Neben Talent zu Organisation und Management sowie einem ordentlichen Scouting für gute Spieler sind rechtliche Weichen zu stellen. Dieser Beitrag zeigt, was juristisch zu beachten ist.

Lesedauer ca. 4 Minuten (850 Wörter)

Der Schritt vom Breitensport- bzw. Freizeitteam zu einem semi-professionellen E-Sport-Team muss gut geplant sein. Es gibt dabei viele Dinge, die beachtet werden müssen. Wer jedoch bedacht an die Planungen herangeht, wird auch erfolgreich sein. Das Wichtigste ist zunächst, dass man bereit ist, Zeit und Geld zu investieren.

1. Tipp: Zeit und Geld mitbringen

Zeit ist wichtig, weil der Aufbau eines Semi-Profi-Teams ein komplexes Unterfangen ist und gerade zu Beginn viele offene Fragen stehen. Hierzu ist es manchmal unerlässlich, sich notfalls von extern Rat zu holen. Wer aber schon mal auf andere angewiesen war, weiß, dass z. B. E-Mails nicht immer sofort beantwortet werden, wenn die Information dringend benötigt wird. Daher ist neben Zeit auch Geduld gefragt. Als Faustregel lässt sich festhalten, dass die Gründung ca. 3 Monate dauert.

Daneben spielt das Anfangskapital eine große Rolle. Zwar können viele Dinge im Internet nachgelesen werden, allerdings können so nicht alle relevanten Informationen beschafft werden. Zudem ist oft unklar, ob frei verfügbare Informationen auch verlässlich sind. Daher müssen angehende E-Sport-Manager auch bereit sein, in das eigene Team zu investieren. Je nach Professionalisierungsgrad halte ich ein anfängliches Kapital von ca. 3.000 bis 5.000 Euro für realistisch. Damit könnte das Team von Beginn an auf sichere Beine gestellt werden.

2. Tipp: Richtige Rechtsformwahl

Wer ein Team gründen möchte, sollte sich auch über die Rechtsform Gedanken machen. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der alleinige Inhaber des E-Sport-Teams kann entweder ein (gewerberechtliches) Einzelunternehmen, eine Unternehmergesellschaft (UG) oder auch eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gründen. Die UG und die GmbH haben gemeinsam, dass dadurch eine neue juristische Person geschaffen wird. Der Manager muss also später nicht im eigenen Namen z. B. die Spielerverträge unterschreiben, sondern kann dies im Namen der juristischen Person tun. Das hat einen großen Vorteil: Sollte es einmal zu einem Haftungsfall kommen, haftet nicht der Manager, sondern die UG oder die GmbH.

Die Gründung einer juristischen Person kostet aber auch Geld. Wer sich selbst nicht in der Lage sieht, einen UG- bzw. GmbH-Vertrag zu formulieren, benötigt anwaltliche Beratung. Unabhängig davon ist mit Notar- und Gerichtskosten zu rechnen. Denn juristische Personen müssen immer in ein öffentliches Register eingetragen werden.

Soll das Team mit anderen Mates zusammen aufgebaut werden, kommen neben der UG und GmbH auch die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) sowie der Verein (Link) in Frage. Der Verein ist ebenfalls eine juristische Person, die eine Satzung braucht und ins Vereinsregister eingetragen werden muss. Die GbR hingegen ist kostengünstig zu gründen – es bedarf keiner Registereintragung und keiner schriftlichen Satzung. Bei der GbR haften die Gesellschafter aber mit ihrem Privatvermögen: Eine haftungsrechtliche Knautschzone wie bei der UG, Verein oder GmbH ist da die Ausnahme.

Welche Rechtsform die richtige ist, hängt aber von vielen Faktoren ab. Ein pauschaler Tipp ist schwer zu erteilen. Erfahrungsgemäß ist jedoch die Gründung einer juristischen Person sinnvoll.

3. Tipp: Spielerverträge

Wer ein Auge für gute Spieler hat, sollte versuchen, diese vertraglich zu binden. Das hat folgenden Hintergrund: Aus meiner täglichen Arbeit weiß ich, dass Profi-Teams im semi-professionellen Bereich immer wieder nach neuen Spielern suchen, um diese unter Vertrag zu nehmen. Wenn die Semi-Profi-Teams dann keine Spielerverträge abgeschlossen haben, kann es vorkommen, dass diese Spieler das Team mitten in der Season und ohne Transfererlös verlassen. Um das zu vermeiden, ist es wichtig, im Vorfeld ordentliche Spielerverträge abzuschließen.

Bei den Spielerverträgen sollte u. a. darauf geachtet werden, dass für den Spieler ein gewisser Anreiz besteht, im Team zu bleiben. Denn gegenwärtig ist die Fluktuation im professionellen und semi-professionellen E-Sportbereich noch hoch. Der Anreiz wird gesetzt, indem für Trainings- und Wettbewerbsbeteiligung ein monatliches Gehalt vereinbart wird oder die Gewinne aus den Turnieren und Ligen zum größten Teil an die Spieler weitergereicht werden. Empfehlenswert ist auch die Aufnahme einer festen Laufzeitklausel (= Planungssicherheit) sowie eine Ausbildungsentschädigungs- bzw. Ablöseklausel.

4. Tipp: Verträge mit Sponsoren

Damit die Spielergehälter und das Management auch bezahlt werden können, sollte frühzeitig versucht werden, Team-Sponsoren zu gewinnen. Sponsoren leisten entweder Geld- oder Sachwerte (oder beides) und erhalten im Gegenzug Werbung für ihr Unternehmen oder Produkt. Beliebte Werbeflächen sind beispielsweise die Webseite des Teams sowie Trikots und andere Kleidungsstücke, die dann in Streams oder auf Wettbewerben gezeigt werden können.

Die rechtlichen Regelungen, was Werbung zum Beispiel in den Social-Media (Link) angeht, können sehr komplex sein. Auch die Anforderungen der Sponsoren können mitunter sehr detailliert sein, was zu Problemen im Bereich des Urheberrechts führen kann. Hier ist daher mitunter zu empfehlen, die Verträge prüfen zu lassen, um zu wissen, was der Sponsor genau fordert – und was nicht.

5. Tipp: Steuerberater!

Der letzte Tipp ist genauso wichtig wie der erste: Wer ein semi-professionelles E-Sport-Team aufbauen möchte, benötigt einen guten Steuerberater. Denn auch hier gibt es eine Faustregel: Wo Geld fließt, müssen Steuern gezahlt werden (Link). Damit es spätger kein böses Erwachen gibt, sollte frühzeitig ein Steuerberater in den Gründungsprozess einbezogen werden.

Dr. Oliver Daum, Anwalt im E-Sport (Kiel)
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