Wie gründe ich einen E-Sportverein?

E-Sport boomt! Daher stellt sich die Frage, wie sich E-Sportler im Freizeit- und Breitensportbereich organisieren können. Das geht durch die Gründung eines eigenen Vereins oder auch einer E-Sport-Abteilung innerhalb eines traditionellen Vereins. Dieser Beitrag erklärt, worauf zu achten ist.

Lesezeit ca. 4 Minuten (880 Wörter)

Ich habe vor Kurzem einen Artikel zur Gründung von E-Sportvereinen in einer Fachzeitschrift gelesen. Ich fand den Artikel nicht sonderlich originell, weshalb ich mich entschlossen habe, selbst die aktuellen Entwicklungen in einem Blogbeitrag einmal zusammenzufassen. Weitere Infos zum Thema sind übrigens auch in den FAQ auf der Homepage verfügbar.

Vorab etwas, was die Wenigsten wissen dürften: Wenn sich E-Sportler zu einem Clan oder einem Team zusammentun, um nach außen hin auftreten zu können, haben sie bereits eine rechtliche Organisation gegründet – die sog. Gesellschaft bürgerlichen Rechts (“GbR”). Das geht ganz ohne Unterschrift, Satzung und Gründungszeremonie.

Eine GbR liegt praktisch immer vor

Eine GbR kann zur Folge haben, dass das Mitspracherecht einzelner Teammitglieder bei wichtigen Entscheidungen beschränkt wäre. Auch könnten die Teammitglieder nicht mehr ohne Weiteres während eines mehrmonatigen Wettbewerbes aus dem Team aussteigen. Erfahrungsgemäß spielen derlei Rechtsprobleme im Freizeit- und Breitensport aber keine große Rolle – zum Glück!

Unter den gleichen Voraussetzungen kommt auch die unbewusste Gründung eines sog. nicht rechtsfähigen Vereins in Betracht. Hierzu ist an dieser Stelle lediglich zu wissen, dass auf diese besondere Form des Vereins die gesetzlichen Regelungen der GbR angewendet werden.

Die Vorteile eines Vereins

Wer jedoch sein E-Sportteam besser organisieren möchte oder wer gar Probleme erwartet, sollte einen Verein gründen. Durch die Vereinsgründung wird eine juristische Person “zwischengeschaltet”, die selbst Träger von Rechten und Pflichten wäre. Der Vorteil hierbei ist, dass die Haftung der Vereinsmitglieder für eventuelle Schäden auf den eingetragenen Verein umgelegt würde.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Entscheidungsfindung in einem Verein entlang eines formalen Prozesses verläuft, was ausnahmsweise gut ist. Denn der formale Prozess stellt sicher, dass zum einen alle Mitglieder an wichtigen Entscheidungen beteiligt sind und zum anderen nur die hierzu eigens berufenen Mitglieder entscheiden. Ein Alleingang einzelner Mitglieder wäre ausgeschlossen.

Die zuvor genannten Vorteile treffen nicht nur auf einen Verein zu, sondern auch auf die Gründung einer GmbH oder sogar einer GmbH & Co. KG auf Aktien. Diese besonderen Unternehmensformen sind allerdings primär auf die Verfolgung geschäftlicher Zwecke gerichtet und für den Freizeit- und Breitensportbereich eher weniger praktisch.

Die Gemeinnützigkeit

Der wohl größte Vorteil eines Vereins – genauer: eines in das Vereinsregister eingetragenen Vereins – ist die Möglichkeit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Gemeinnützigkeit nach der Abgabenordnung bedeutet u. a., dass der Verein Steuererleichterungen erfährt und dass er Spenden annehmen und insbesondere quittieren darf, wodurch Spender eher geneigt sind, den Verein finanziell zu unterstützen.

Darüber hinaus haben Vereine bessere Chancen, an staatliche Fördergelder zu gelangen. Gleichwohl treten mit der Gemeinnützigkeit aber auch stärkere Auflagen auf, wie mit dem Vereinsvermögen umzugehen ist, sowie erweitere Buchführungspflichten. Diese und weitere Pflichten sollten bei der Gründung unbedingt beachtet werden.

Zuständig für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist das Finanzamt. Dort ist ein entsprechender Antrag zu stellen.

Wie gründe ich einen eigenen E-Sportverein?

Die Gründung eines Vereins ist gar nicht so umfangreich. Es bedarf hierfür mindestens drei Mitglieder, die zudem einen Vorstand bestimmen, eines Vereinsnamens, einer schriftlichen Satzung und der Unterschrift der Gründungsmitglieder unter die Satzung. Soll der Verein in das Vereinsregister eingetragen werden, muss dies durch einen Notar beantragt werden. Hierzu ist dann die Unterschrift von sieben Mitgliedern erforderlich.

Erst mit der Eintragung in das Vereinsregister erlangt der Verein eine eigene Rechtspersönlichkeit (Träger von Rechten und Pflichten), wodurch die o. g. Vorteile gegenüber der GbR und dem nicht rechtsfähigen Verein eintreten. Zur Info: Auch ein nicht rechtsfähiger Verein kann vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt werden.

Bevor die Vereinseintragung beim Register beantragt wird, empfiehlt es sich, die Satzung, und insbesondere den Vereinszweck, dem zuständigen Finanzamt zuzuleiten. So wird sichergestellt, dass die Satzung nach der Eintragung ins Vereinsregister nicht nach den Vorgaben des Finanzamtes geändert werden müsste, wodurch neue Kosten verursacht würden.

Die Kosten für die Gründung und der anschließenden Eintragung in das Vereinsregister belaufen sich auf ca. 100 – 150 €. Die Mithilfe eines Rechtsanwalts ist nicht zwingend, kann aber bei der Formulierung des Vereinszwecks hilfreich sein.

Wie gründe ich eine E-Sportabteilung?

Um eine E-Sportabteilung innerhalb eines traditionellen Vereins zu gründen, muss die Satzung des Vereins die Möglichkeit der Gründung eigener Abteilungen vorsehen. Ist dies nicht der Fall, müsste die Satzung geändert werden. Das Besondere dabei ist: Die Abteilung könnte zwar unter dem Namen des Vereins laufen, würde aber eine eigene Rechtspersönlichkeiten darstellen.

Dieser etwas umständliche Weg ist vonnöten, weil der E-Sport nicht als Sport im Sinne der Gemeinnützigkeit der Abgabenordnung gilt. Wenn jetzt ein traditioneller Sportverein kurzerhand E-Sport betreibt und Vereinsvermögen hierfür verwendet, könnte er dadurch vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit verlieren. Denn der E-Sport wäre ein satzungsfremder Zweck.

Damit also traditionelle Vereine, die nunmehr E-Sport betreiben möchten, nicht die Gemeinnützigkeit verlieren, wäre die Gründung einer eigenen E-Sportabteilung zu empfehlen.

Ergebnis

Die Gründung eines Vereins ist kein Hexenwerk. Und auch die Kommunikation mit dem Finanzamt in Hinblick auf die begehrte Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist regelmäßig nicht sonderlich kompliziert.

Zu empfehlen ist aber auf jeden Fall ein Ratgeber in Buchform, da hier oftmals wertvolle Tipps für die Gründung und den Betrieb des Vereins enthalten sind. Denn die Arbeit fängt mit der Gründung erst an 😉

Dr. Oliver Daum, Rechtsanwalt (Kiel)
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